Gott und die Welt: Gott als Konzept

Gott als Konzept
Hat Gott den Menschen erschaffen, oder die Menschen Gott?

Vermutlich ist schon jeder auf die eine oder andere Weise mit dem Thema Gott in Berührung gekommen und hat eine mehr oder weniger klare Haltung dazu. Das Thema Gott ist zumeist eingebunden in irgendeiner Form von Religion, aber auch oft Gegenstand philosophischer oder wissenschaftlicher Auseinandersetzung. Was ist eigentlich Gott? Gibt es ihn wirklich? Und wenn ja, in welchem Verhältnis stehe ich dann als Mensch zu ihm? An diesen oder anderen Fragen bemerkt man die Neigung, Gott irgendwie einzuordnen, zu bewerten, sich ein Konzept über Gott zu bilden. Diese Konzeptbildung mag einfach unhinterfragt übernommen worden sein, weil man es so gelehrt bekam, oder weil man es sich durch das Selbststudium geschaffen hat. Selbst dann, wenn man sich selbst als Atheist sieht (was auch auf Glaubenssätze beruht) oder man einfach nicht an Gott glaubt, so hat doch so gut wie jeder ein Konzept über Gott im Laufe seines Lebens gebildet.

Gott erschuf die Welt

Als Teenager begann ich bewusst mich mit dem Thema Gott auseinanderzusetzen, auch wenn ich schon seit der Kindheit über die religiösen Bräuche und der Kinderkirche damit konfrontiert war. Bei der Aussage: „Gott hat die Welt erschaffen“, kam der Gedanke: Aus was? War schon etwas da, aus dem Gott dann die Welt erschaffen hat? Wenn dem so wäre, woher käme dann das? Das wäre nicht der Beginn von allem, Gott wäre nicht Gott, sondern ein sehr mächtiges Wesen. Wenn es aber ein Wesen wäre, wer oder was hätte dann einerseits Gott geschaffen und anderseits die Materie und physikalischen Gegebenheiten, aus dem dieses Gott-Wesen dann die Welt erschaffen hat? Nein, entweder ist es Gott, der alle Dinge erschaffen hat, oder eben ein sehr mächtiges übernatürliches Wesen. Ich entschied mich damals dann doch, dass Gott doch Gott ist, also der Schöpfer aller Dinge.

Alles ist Gott

Meine Schlussfolgerung war, dass es nur so sein konnte, dass Gott zur Welt wurde. Somit besteht alles und jeder aus Gott, die Substanz von allem ist Gott und so gibt es nur eine Substanz. Wenn aber alles Gott ist, wozu soll dann das ganze Theater der verschiedenen Regionen, von Auserwählten, Gottes Volk usw. gut sein. Gott kann ja wohl kaum gute oder schlechte Teile haben. Ein Teil von ihm kann nicht auserwählt sein und andere nicht. Noch schwerer ist das Verstehen bei dem Prinzip von Gut und Böse. Was das Prinzip der einen Substanz in seiner Konsequenz impliziert, war mir damals nur peripher klar, es erzeugte in meinem Gotteskonzept zwangsläufig ein Paradox.

Da Gott per se Gut sein sollte (so die unhinterfragte Grundannahme), so löste es nicht das Dilemma, der Polarität von Gut und Böse auf der Welt. Weitere zentrale mir bekannte Aussagen verstärkten die Zwickmühle weiter. Dazu gehörten die Aussagen: Gott ist allmächtig, allwissend und allgegenwärtig.

Gott ist allmächtig

Wenn Gott allmächtig ist, so kann er immer alles zu jeder Zeit ändern. Wir reden ja nicht nur von mächtig oder teilweise allmächtig. Es stellt sich dann gar nicht die Frage ob er etwas gegen das »Schlechte« tun könnte, er könnte es, wann immer er es will. Wenn er also mit dem wie es ist, nicht einverstanden ist, dann würde er es doch ändern, oder? Selbst wenn er es über irgendein Medium ändern will, also zum Beispiel über den Menschen oder bestimmte Menschen, so könnte er es tun, jetzt sofort. Nun könnte man anführen, dass er einen Plan hat und Zeit keine Rolle spielt, sozusagen wird sich schon alles zum besten Wenden irgendwann, wenn Gott es eben will. Doch solche Aussagen schienen mir eher aus der Erklärungsnot heraus entstanden zu sein und nicht aus einem wirklichen verstehen.

Gott ist allwissend

Allwissenheit hängt eng mit dem Thema der Allmacht zusammen. Wenn Gott allwissend ist, so wusste er von Anfang an, wie alles einmal kommt. Nichts was jemals geschah oder jemals geschehen wird, entzieht sich seinem Wissen. Und da er die Allmacht hat, hätte er von Anfang an bereits alles genau so gemacht, wie er es will, so wie es sein soll. Er hätte danach nie mehr eingreifen brauchen, weil alles nach seinem Willen hätte geschehen müssen. Wenn er eine (aus unserer Sicht) perfekte Welt haben wollte, so hätte er sie so einfach so geschaffen und alle Ursachen so gesetzt. Unterstelle ich Gott Allwissenheit, so könnte ich ihm auch unterstellen, dass die Welt mit all ihrer Gegensätzlichkeit, mit all dem Schönen und Guten, wie auch dem Schlechten und Furchtbaren, so gewollt war. Natürlich setzte diese Annahme andere Mutmaßungen über Gott und seine Eigenschaften voraus, so wie es bei allen Konzepten über Gott oder den Religionen ist.

Gott ist allgegenwärtig

Dass Gott allgegenwärtig ist, könnte man schon allein aus den vorherigen Behauptungen schließen. Allgegenwärtigkeit bedeutet ja nicht nur, dass Gott überall an jedem Ort ist, sondern auch das er nicht begrenzt ist durch die Zeit. Da Raum und Zeit (Raum-Zeit) für ihn keine Begrenzung darstellen, kann er überall zur gleichen Zeit und zu jeder Zeit sein. Er befindet sich also außerhalb von Raum und Zeit, oder ist er selbst die Raum-Zeit?

Hat Gott Gefühle?

Lesen wir die Bibel oder einige andere religiösen Schriften können wir lesen, dass Gott sehr emotional sein kann. Auch die meisten (gläubigen) Menschen nehmen das bewusst oder unbewusst an. Gott kann lieben oder hassen, er kann etwas mehr oder weniger liebhaben, er kann traurig sein, etwas bereuen, sich freuen oder sogar eifersüchtig sein und Rache nehmen wollen. Gott hat demnach Gefühle. Wobei man sich dann fragen müsste, wie ein allwissendes Wesen noch von etwas überrascht sein könnte, so das er, auf dessen Folgen hin mit unterschiedlichen Emotionen reagiert. Und selbst wenn dem so wäre, wären alle emotionalen Reaktionen von Anfang an so geplant gewesen, wie auch die Umstände die zu diesen Gefühlen führten. Zudem wären seine gefühlsmäßigen Reaktionen, ja immer eine Reaktion auf sich selbst, da er auch alles ist.

Gott als Paradox

Ein allmächtiges, allwissendes und allgegenwärtiges Wesen das auch noch Gefühle und menschlichen Eigenschaften hat, kommt uns da nicht etwas spanisch vor?

Es ist ein von Menschen geschaffenes Konzept, bei dem wir auf ein mental konstruiertes für uns externes Wesen unsere eigene Menschlichkeit mit samt der Psyche projizieren.

Dabei vergessen wird dann, das für Individualität (Ich – Du) und freien Willen (oder Wahlfreiheit) hier keinerlei Raum wäre, obwohl das zentrale Elemente unseres Erlebens sind. Hier liegt es schon in der Natur der Sache das es zu Widersprüchen und Unstimmigkeiten führt. Das wir schon sehr blind glauben müssen, um nicht zu bemerken, dass in den Religionen und den Gotteskonzepten ein paradox nach dem anderen lauert. Bei mir war dieses Paradox noch viele Jahre danach ein ungelöstes Rätsel, eben weil es sich nicht durch ein anderes oder besseres Konzept lösen lässt und blinder Glaube nie so meine Sache war.

religiöse konzepte Da Konzepte nie unter allen Umständen schlüssig sind, könntest du diese Aussagen, im Kontext zu Gott und Schöpfung, auch ganz anders interpretieren und ganz andere Schlussfolgerungen ziehen. Doch es wäre nur ein anderes Konzept und sich dann über das bessere Konzept (Glaubensrichtung, Philosophie) zu streiten bringt uns „Gott“ und der „Wahrheit“ keinen Schritt näher (und schon gar nicht in den Himmel). Dennoch schwelen die Konflikte darüber seit Jahrtausenden und haben viel Leid gebracht. Das Problem liegt in der Natur von Konzepten selbst, weil wir ein Konzept mit der Wahrheit verwechseln.

Dabei geht es hier nicht darum die Existenz Gottes zu leugnen, im Gegenteil. Es geht darum das ein Konzept „über“ Gott mit all seinen mentalen Projektionen, Regeln, Gesetzen und Bewertungen selbst ein Hindernis ist. Dabei ist mir durchaus bewusst, dass es Religionen, Philosophien und esoterische/spirituelle Konzepte gibt in denen es keinen Gott oder mehrere Götter gibt, doch dabei handelt es auch nur um ein Konzept, mit den grundsätzlich gleichen menschlichen Projektionen. Wenn Konzepte für die Wahrheit gehalten werden, insbesondere wenn dieses Konzept einen exklusiven Kreis von Menschen auswählt und andere ausgrenzt, birgt es großes Konfliktpotential.

Das Konzept Gott loslassen

Was bleibt uns, wenn wir das Konzeptgebäude von einem Gott loslassen? Was bleibt uns, wenn wir religiöse, spirituelle, esoterische und philosophische Konzepte loslassen? Wir können Sie als das betrachten, was sie sind, Konstrukte die etwas Unerklärbares fragmentarisch veranschaulichen können. Etwas was keinerlei Wahrheitsanspruch haben kann und auch nicht annähernd vollständig sein kann. So das die Verschiedenartigkeiten der Konzepte, zwar Unterhaltung für den Verstand sein können und vorübergehend einen gewissen Nutzen haben, aber letztendlich doch immer losgelassen werden müssen und wirklichen Zugang zu finden.

Was ist Gott?

Wir können nicht wissen was Gott, oder wie immer man das Wunder unsere Existenz nennen mag, ist. Das Wissen „über“ etwas (Objektivierung), erfordert immer eine simulierte mentale Spaltung von Wahrnehmenden und Wahrnehmung. Wir können aber intuitiv erfassen, dass wir existieren (Leben), dieses Erfassen der eigenen Existenz ist nicht Objektiv, wenn wir es nicht auf ein Konzept oder zum Beispiel auf den Körper projizieren. Wir können uns bewusst sein, dass wir bewusst sind. Ohne dieses Bewusstsein könnten wir nichts über Gott und die Welt wissen oder erfahren. Es gäbe sie einfach nicht. Zumindest würden wir weder etwas über ihre Anwesenheit noch über ihre Abwesenheit wissen, noch hätten wir eine Existenz oder Nichtexistenz. Dieses intuitive Erfassen der Existenz, dieses Bewusstsein über das Bewusstsein, ist weder Objektiv noch persönlich und auch nicht individuell. Es kann nicht beschrieben, erklärt oder sonst irgendwie dargestellt werden und doch würde wohl keiner leugnen, dass er dieses Intuitive erfassen seiner eigenen Existenz hat. Von dem Moment an, in dem, dass Bewusstsein im Körper erwacht bis zu dem Moment bis es wieder geht, ist es die einzige feste und bleibende Konstante. Was erschließt sich uns, wenn wir diese, meistens ignorierte, Konstante erforschen? Die Antwort kannst du nur selbst finden.

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